Der Aufsatz analysiert die Runeninschrift G 384 in einer Wandmalerei der Kirche von Lau auf Gotland. Der Text, für den bislang keine vollständige Deutung existiert hat, wird als ein estnisches Wortspiel interpretiert. Dialektale Besonderheiten deuten auf eine Herkunft des Urhebers von der Insel Muhu oder aus dem südestnischen Sprachgebiet hin.
Die Arbeit analysiert Ida Hegazi Høyers Roman Fortellingen om øde aus narratologischer Perspektive, mit besonderem Fokus auf die Konfliktkonstellation. Nach einer Inhaltsangabe und einer Untersuchung narratologischer Aspekte (Zeit, Modus, Stimme, Figur, Raum) wird eine strukturierte Konfliktklassifikation entwickelt. Die Konflikte werden nach ihrer Art geordnet: innere Konflikte (vor allem beim Protagonisten Carlo), Individualkonflikte zwischen den Figuren, Gruppenkonflikte sowie die Insel als besondere Konfliktpartei. Die Analyse zeigt, wie die unterschiedlichen Konfliktebenen miteinander zusammenwirken und narratologisch im dramatischen Modus mit interner Fokalisierung umgesetzt sind.
Die Arbeit behandelt die ersten beiden der vier altisländischen grammatischen Abhandlungen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, die im Codex Wormianus überliefert sind. Nach einem Überblick über die grammatische Literatur der Antike und des Mittelalters werden Überlieferung, Verfasserfrage und Entstehungszeit beider Traktate erörtert. Ein Schwerpunkt liegt auf der bahnbrechenden Methodik des Ersten Grammatischen Traktats, der phonologische Analyse durch Kommutationstests und Minimalpaare vorwegnimmt, was ihn zu einem strukturalistischen Pionierwerk macht. Der Zweite Traktat wird in seiner Bedeutung für die Theorie der skaldischen Dichtung (insbesondere die hending) und seine handschriftliche Überlieferung im Codex Upsaliensis beleuchtet.
Die Arbeit bietet einen soziolinguistischen Überblick über die vom Aussterben bedrohten samischen Sprachen. Die samischen Sprachen bilden ein Dialektkontinuum, das üblicherweise in zehn Einzelsprachen unterteilt wird; besonders gefährdet sind Ume- und Pitesamisch sowie die samischen Sprachen Russlands. Untersucht werden Faktoren wie Sprecherzahl und Altersverteilung, Sprachgebiet und -loyalität, soziales Prestige, kulturelle Vitalität (Medien, Unterricht, Literatur), sprachliche Komplexität sowie sprachpolitische Maßnahmen. Da amtliche Statistiken zur ethnischen und sprachlichen Zugehörigkeit in Skandinavien fehlen, stützt sich die Arbeit auch auf aktuelle Medienberichte.
Die Arbeit interpretiert die Runeninschrift bjʀo auf der steinernen Speerspitze von Älgsjö (6./7. Jahrhundert?) als ursüdsamischen Namen *bijrrᴖ̄. Dabei kann es sich um den Namen eines Donnergottes handeln. Es besteht Grund zur Annahme, dass das finnische Etymon piru mit dem finnischen Wort perkele verwandt ist, das wahrscheinlich vom baltischen Perkū́nas entlehnt ist. Die Interpretation als Name eines Donnergottes steht in Einklang mit der bisherigen Deutung des Inschriftenträgers als Donnerstein.
Der Aufsatz analysiert die monumentalen Grabhügel von Alt-Uppsala, deren Datierung in die Vendelzeit und die Frage, wer dort bestattet ist. Ein zentraler Aspekt ist die Lokalisierung des heidnischen Tempels: Diesen vermutet der Autor aufgrund einer historischen Beschreibung und der Anordnung der Hügelgräber nicht unter der heutigen Kirche, sondern südlich davon.
Diese Arbeit von Ulrich Latzenhofer beleuchtet Leben und Werk des färöischen Schriftstellers William Heinesen. Trotz dänischer Muttersprache prägte Heinesens facettenreiches Schaffen in Literatur, Musik und bildender Kunst die kulturelle Identität der Färöer tiefgreifend. Ein Höhepunkt war sein Verzicht auf den Nobelpreis zugunsten der färöischen Sprache.
Der Aufsatz untersucht die eschatologischen Vorstellungen in der altnordischen Literatur, insbesondere der Vǫlospá. Er analysiert das Konzept des Weltuntergangs (ragnarǫk) als zyklisches Ereignis, das auf die moralische Entwertung der Götterwelt folgt und schließlich in einer gereinigten Neuentstehung der Welt mündet.
Die Arbeit zeigt auf, wie die Protagonisten der Gísla saga durch Blutrache und Ehrbegriffe in eine ausweglose Spirale geraten, die schließlich zur Ächtung und zum gewaltsamen Tod des Helden Gísli führt.